7. Mai 2026

Sommersturm La Chaux-de-Fonds 2023

Ereignisanalyse

Zusammenfassung

Am 24. Juli 2023 zog eine kräftige Gewitter-Superzelle aus der französischen Nachbarregion Doubs (nördlich von Pontarlier) dem Neuenburger Jura entlang und gelangte schliesslich bis ins St. Immer-Tal (Vallon de St-Imier BE), wo sie sich schliesslich abschwächte. Ihre stärkste Intensität erreichte die Zelle um 11.30 Uhr MESZ in der Region La Chaux-de-Fonds NE, wo sie mit heftigen Böen innerhalb weniger Minuten schwere Zerstörungen verursachte. An der MeteoSchweiz-Station beim regionalen Flugplatz Les Éplatures südwestlich von La Chaux-de-Fonds wurde eine maximale 1-Sekunden-Böenspitze von 217 km/h verzeichnet, was dem höchsten je dort gemessenen Wert entspricht. Topografische Einflüsse hatten den Sturm wohl noch verstärkt: In der Verengung des Hochtals von Le Locle / La Chaux-de-Fonds bei Le Crêt-du-Locle wurde der Wind durch einen Düseneffekt wahrscheinlich zusätzlich beschleunigt.

Kurz nach dem Ereignis aufgenommene Orthofotos zeigen deutlich unterschiedliche Baumfallrichtungen: Entlang der Südflanke der Zugbahn dominieren parallele Fallrichtungen, typisch für Fallböen, entlang der Nordflanke deuten radiale Muster auf Tornadoaktivität hin. MeteoSchweiz interpretierte den Sturm daher als hybrides Ereignis, also als Kombination schwerer Fallböen, begleitet von einem Tornado.

Die Sturmwinde verursachten insbesondere in den beiden Gemeinden La Chaux-de-Fonds und Le Locle umfassende Sachschäden an Gebäuden, Fahrzeugen, Infrastruktur (Verkehr, Energieversorgung), Baumbeständen und Wäldern. Ein Mann verlor auf tragische Weise sein Leben, über vierzig Personen wurden verletzt.

Bei der Kantonalen Gebäudeversicherung des Kantons Neuenburg gingen mehr als dreitausend Schadenmeldungen über eine Gesamtsumme von gut CHF 130 Mio. ein. Damit handelte es sich um das bei weitem schwerste Elementarschadenereignis im Kanton Neuenburg in dessen Schadenhistorie seit 1930. Mit CHF 43´000.- fiel der mittlere Einzelschaden überdurchschnittlich hoch aus: In der dem Jahr 2023 vorangegangenen Zwanzigjahresperiode (2003 - 2022) betrug der durchschnittliche Sturmschaden im Kanton Neuenburg lediglich CHF 2’680.- (indexiert). Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die ausserordentliche Intensität des Sturmereignisses im Juli 2023.

Neben der direkten Windlast spielte Trümmerschlag eine zentrale Rolle: Durch vom Sturm abgerissene und verfrachtete Bauelemente wurden zahlreiche Sekundärschäden verursacht, insbesondere in dicht bebauten Quartieren.

Die statistischen Analysen belegen, dass Gebäudetypen unterschiedlich verletzlich sind. Überdurchschnittlich betroffen waren Wohn-, Büro- und Ausbildungsgebäude. Unterdurchschnittlich beschädigt wurden Garagen, Sportgebäude sowie Landwirtschaftsbauten – meist aufgrund geringerer Exposition oder robusterer Bauweise. Auffällig ist zudem, dass neuere Gebäude tendenziell höhere Schadengrade (Verhältnis Schadensumme zu Versicherungswert)
aufwiesen als ältere Bauten, was auf empfindlichere Fassaden- und Dachkonstruktionen moderner Architektur zurückzuführen sein dürfte.

Das Ereignis unterstreicht die Bedeutung der Elementarschadenprävention. Dazu gehören robuste Gebäudehüllen, widerstandsfähige Dachkonstruktionen, sorgfältige Unterhaltsplanung sowie die Berücksichtigung topografischer Verstärkungseffekte bei Raumplanung und Bauvorgaben. Die vorliegende Analyse liefert verwertbare Erkenntnisse für künftige Präventionsstrategien im Umgang mit Sommersturmereignissen.

Studie

Sommersturm La Chaux-de-Fonds 2023