6. Mai 2026

Sommersturm 2023 im Neuenburger Jura: Lehren für eine wirksame Prävention

Das extreme Sturmereignis vom 24. Juli 2023 hat im Kanton Neuenburg historisch hohe Schäden an Gebäuden verursacht. Eine neue Auswertung zeigt, dass neben der aussergewöhnlichen Intensität des Unwetters auch bauliche Schwächen und ungenügende Prävention das Schadensausmass verstärkt haben. Daraus ergeben sich klare Konsequenzen für den zukünftigen Umgang mit Naturgefahren.

Am 24. Juli 2023 zog eine Gewitter-Superzelle von der französischen Region Doubs über den Neuenburger Jura bis in den Berner Jura. In La Chaux-de-Fonds erreichte der Sturm seine maximale Intensität mit Böen bis 217 km/h. Die SIA-Vorgaben bezüglich Windfestigkeit wurden somit deutlich übertroffen. Allein die Gebäudeschäden beliefen sich auf rund 130 Millionen Schweizer Franken. Eine Person kam ums Leben, über 40 wurden verletzt. Gemäss MeteoSchweiz handelte es sich um ein hybrides Ereignis aus Fallböen und Tornadoaktivität.

Das hohe Schadensausmass ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Neben der extremen Windbelastung spielte Trümmerschlag eine zentrale Rolle. Abgerissene Bauteile verursachten zusätzliche Schäden. Anteilsmässig besonders betroffen waren Wohn-, Büro- und Ausbildungsgebäude. Auffällig ist, dass neuere Gebäude teilweise stärker beschädigt wurden als ältere. Leichte Bauweisen, moderne Fassaden sowie Elemente wie Storen oder Photovoltaikanlagen erhöhen die Anfälligkeit. Gut unterhaltene Gebäude waren deutlich weniger betroffen.

Die Analyse unterstreicht die Bedeutung der Prävention. Entscheidend sind robuste Bauweisen, widerstandsfähige Gebäudehüllen und fachgerecht befestigte Bauteile. Auch Trümmerschlag muss stärker berücksichtigt werden, da einzelne Elemente Schäden an mehreren Gebäuden verursachen können. Zudem sind Gebäude in exponierten Lagen höheren Windbelastungen ausgesetzt. Solche topografischen Faktoren müssen in der Planung berücksichtigt werden. Gleichzeitig zeigt sich, dass im Bauwesen oft die Kostenoptimierung über die Widerstandsfähigkeit gestellt wird. Fachleute betonen daher die Bedeutung von Qualität in Planung, Ausführung und Materialwahl.

Das Ereignis von La Chaux-de-Fonds verdeutlicht, wie wichtig Prävention für eine widerstandsfähige Siedlungsentwicklung ist. Um Schäden künftig zu reduzieren, sind Verbesserungen in Bauqualität, Planung und Unterhalt sowie eine verstärkte Sensibilisierung zwingend. Allerdings können Extremereignisse wie jenes vom 24. Juli 2023 die Möglichkeiten der Prävention begrenzen. Hier tritt der Versicherungsschutz der Kantonalen Gebäudeversicherung in Funktion.

Sommersturm La Chaux-de-Fonds 2023